Wenn Dirigenten anderer Ensembles ihr Amt aufgeben, spricht man gerne davon, dass sie „den Taktstock weitergeben“. Wenn Ernst Baier sich am Rossfest-Sonntag von seinem Publikum verabschiedet, passt diese Formulierung nicht, denn wenn er dirigierte, war das immer „Handarbeit“. Nach 36 Jahren an der Spitze der Köhlerbuben wird der „Spitz-Bur“ beim Frühschoppenkonzert im Kohlenbach zum letzten Mal das Kommando über die „kleine Besetzung“ der Musikkapelle Kollnau haben. Seine angeschlagene Gesundheit und sein Alter von 79 Jahren zwingen ihn dazu, und dennoch will er sich nicht heimlich, still und leise davonmachen, sondern sich mit Musik zur Ruhe setzen.
Die „Köhlerbuben“ sind ein eigenes Kapitel in der Geschichte der Kollnauer Musik. 1975 als „ahnsehnliche Jugendabteilung“ gegründet, spielten die Musiker um ihren Frontmann und Motor Ernst Baier über 15 Jahre bei wohl allen geselligen Anlässen, Hocks, Festen, Jubiläen im engeren und weiteren Umkreis ihrer Heimatgemeinde. Dabei kamen um die 30 Auftritte jährlich zusammen, darunter legendäre Anlässe wie der sagenumwobene „Winkelhock“, die Eröffnung des Kollnauer Wochenmarktes, die Premiere des „Kollnauer Feschts“ oder ein improvisiertes Platzkonzert auf den Stufen des Reichstagsgebäudes im damals noch geteilten Berlin. Trotz aller Bekanntheit brachte es das rund 20-köpfige Ensemble weder zu Schallplatten-Ruhm noch zu Fernsehauftritten. Dennoch gab es ein Erfolgsrezept: Man spielte das, was das Publikum bei Hocks und Festen gerne hören will: bekannte Melodien, ein paar Solo-Einlagen, Stücke zum Mitsingen und Mitschunkeln – all das sicherlich keine „symphonische Blasmusik“, aber eben unterhaltsam und – wenn die Nacht davor nicht zu lang gewesen war – auch meistens gefällig vorgetragen. Dabei, so Kenner der Ma(r)terie, entwickelte das Ensemble eine eigenwillige musikalische Formensprache, etwa das „romantische Tränenforte“ oder das nur von wenigen anderen beherrschte „Schützenliesel-Staccato“. Tiefsinnig in diesem Zusammenhang ist der Ausspruch Ernst Baiers: „Musik konn monchmol au lut si!“
Ohne das nimmermüde Engagement ihres Leiters und seine sprichwörtliche Geduld mit den manchmal doch eigenwilligen Akteuren (Originalton: „Ä Sack Fleh hiäde isch lichter!“) hätte die Truppe sicherlich nicht so lange Jahre zusammengehalten.
Inzwischen sind auch die „Buben“ von damals in die Jahre gekommen. Den anstrengenden Touren durch die südbadische Fest-Szene kehrten sie schon länger den Rücken, obwohl es noch immer Anfragen in Hülle und Fülle gibt. Von dieser Enthaltsamkeit erlauben sie sich seit Jahren eine Ausnahme: Mitte August machen die Musiker auf ihrer „Sommertournee“ zwei Abstecher, so auch heuer. Am Freitag, 12. August, sind die „Köhlerbuben“ ab 19.30 Uhr beim Abendkonzert aus dem Rathausplatz zu hören. Und am Sonntag, 14. August, gestalten sie das Frühschoppenkonzert beim Rossfest im Kohlenbach.