Ab 1939 feiert Glenn Miller (geboren 1. März 1904) mit seiner Big Band in Amerika und Europa Triumphe. Zwischen 1940 und 1943 landet Millers Band über vierzig Top-Ten-Hits in den soeben neu gegründeten Charts. Ganz Amerika tanzt im Rhythmus des Swing zu Titeln wie „Chatanooga Choo-Choo“, „In the Mood“ oder „Moonlight Serenade“. In Deutschland werden junge Swing-Fans von den Nationalsozialisten verfolgt.

Stets beeindruckt Millers Konzertinszenierung: Alle Musiker treten in eleganten Uniformen, Miller selbst im Frack auf, was die Konzerte jedoch keineswegs zu steifen Veranstaltungen erstarren lässt. Gekonnte Performance gehört mit zu den Geheimrezepten des Swing. Radiostationen übertragen die Konzerte oft live und verbreiten so in Windeseile die neue Tanzmusik. Das Geheimnis von Millers Sound: vier Saxophone, eine melodie­führende Klarinette im Saxophonsatz. Und Miller selbst spielt die Posaune, wodurch sich der Posaunensatz von drei auf vier Spieler erhöht.

Wie kaum ein anderer adaptiert Glenn Miller in seinen Melodien den Jazz der Schwarzen und bringt ihn durch Glättung des Rhythmus und Auffächerung der Orchesterfarben einem weißen Publikum nahe. Er spielt Songs aus Filmen – zum Beispiel „Somewhere over the Rainbow“ aus dem „Zauberer von Oz“ – ein und macht sie zu Welterfolgen. Auch klassische Melodien sind ihm nicht fremd. Ähnlichen Erfolg wie Miller haben nur wenige weiße und schwarze Bandleader wie Benny Goodman, Fletcher Henderson, Count Basie oder Duke Ellington.

In London erlebte Miller die deutschen Luft-Angriffe. Unter anderem spielte „Army Air Force Band“ zahlreiche Aufnahmen in den Abbey Road Studios ein (wo später die Beatles ihre Alben aufnahmen), teilweise mit Live-Übertragungen durch die BBC in deutscher Sprache.

Im Dezember 1944 soll Miller ein Konzert für US-Soldaten im befreiten Paris geben. Doch das Flugzeug verschwindet am 16. Dezember über dem Ärmelkanal, Millers Leichnam wird nie gefunden. Mit Millers Tod endet eine der erfolg­reichsten Musikerkarrieren des 20. Jahrhunderts. Doch seine Musik wird zur Legende. Gerade in Nachkriegsdeutschland kündet Glenn Millers Sound von neugewonnener Freiheit nach Jahren der Barbarei.